Geschichtsträchtiger Ort

Die fast 1000-jährige Geschichte

Tradition & Leidenschaft

 

Hofgut und Brauerei gehören der Oskar und Elisabeth Farny-Stiftung. Sie hat 2015/16 die historische Brauereiwirtschaft wieder aufgebaut und durch einen modernen Hotelanbau mit Holzschindelfassade ergänzt. Das Ensemble mit einem großen Biergarten und der eigenen Hofkapelle wirkt fast wie ein kleines Dorf – die alte Mälzerei und die ehemalige Farny Villa unterstreichen den Eindruck.

2008 wurde das 175 jährige Brauereijubiläum gefeiert. Die Illustration zeigt die Brauereimannschaft mit Braumeister Wilhelm Zeitler aus dem Jahr 1913.

Oskar Farny – Der Allgäu-Pionier

Erster Wirt und Brauer auf dem Dürren war Konrad Kugel, Gastwirt und Bauer im nahen Ratzenried. Er heiratete 1808 die Gutsbesitzertochter vom Dürren und übernahm gemeinsam mit ihr von den Schwiegereltern Wirtschaft und Hofgut. Kugel, nach dem eine der alten Gaststuben in der Brauereiwirtschaft benannt ist, war ein hochgelobter Landwirt und als Mitglied des Gemeinderats von Waltershofen in der Lokalpolitik aktiv. Ihm ist wohl auch die Brücke über die Argen zu verdanken, die „seinen“ Ratzenriedern den Weg zur Wirtschaft verkürzte. Kugel erfüllte sich seinen Traum von einer eigenen Brauerei neben der Gaststätte. Das Bier vom Hofgut in Dürren gewann schnell Freunde. Die Wirte aus der Umgebung holten es selbst in der Brauerei ab. War aufgeladen, machte man vor der Heimfahrt noch eine Pause in der Brauereiwirtschaft.

1856 übergaben die Eheleute Kugel Brauerei, Gastwirtschaft und umliegende Gebäude an ihre Tochter Bibiane und deren Mann, Eustachius Farny, den ersten Farny auf dem Dürren.

Oskar Farny übernahm das Hofgut und die Brauerei in dritter Generation, nachdem sein älterer, nach der alten Allgäuer Erbschaftsregel eigentlich erbberechtigter Bruder unter dem Eindruck des Ersten Weltkriegs Priester werden wollte. Aus heutiger Sicht war das für den Dürren ein Glücksfall. „Mit seinem Herzen war der Berufsoffizier Oskar Farny ein Bauer alten Schlages. Fest verwurzelt mit dem Dürren und seinem 1928 erworbenen
Alpbesitz zwischen Hochgrat und Hädrich“, so Dr. Leist, der Vorsitzende der Oskar und Elisabeth Farny-Stiftung und ehemalige Wangener Oberbürgermeister. In der Brauerei zeigte Oskar Farny sich aufgeschlossen für Neues: Unter seiner Leitung wurde 1924 das Kristall-Weizen erfunden, das bis heute mit dem Namen Farny verbunden wird. “Glanzhell und fein moussierend wie Champagner“ stand in dem 1929 erstellten Gutachten der Versuchsanstalt Weihenstephan.

In der Nachfolge seines Vaters Hugo Farny übernahm Oskar Farny auch die Leitung der Vereinigten Käsereien Dürren und nutzte seine spätere politische Karriere, die Allgäuer Käsereiwirtschaft zu unterstützen. Das bezeugen zum Beispiel Fotos von Bundespräsident Theodor Heuss inmitten riesiger Käselaibe. Farnys politische Karriere begann schon 1920, als er zum ersten Mal in den württembergischen Landtag gewählt wurde. 1930 wurde er als Mann des Zentrums in den Reichstag gewählt. Seit seiner militärischen Ausbildung in Weingarten vor dem Ersten Weltkrieg war Oskar Farny mit Erwin Rommel befreundet. 1944 sicherte er Rommels Tagebücher vor dem Zugriff der Gestapo. Noch am Tag vor seiner Ermordung war Rommel mit seiner Frau auf dem Dürren.

Nach dem Krieg setzte Farny seine politische Karriere fort. Er vertrat als Bundesratsminister das Land Baden-Württemberg in Bonn. Das führte die politische Prominenz auf den Dürren. Theodor Heuss, Konrad Adenauer, Carlo Schmid und viele andere waren hier zu Gast, Kurt Georg Kiesinger überreichte Farny hier 1960 das Große Verdienstkreuz mit Stern und Schulterband.

 

Links: Oskar Farny mit dem ehemaligen Bundeskanzler Konrad Adenauer. Rechts: Oskar Farny begrüßt Bundespräsident Theodor Heuss.

Die Ehe mit seiner Frau Elisabeth, die Oskar Farny über alle schwierigen und bewegten Jahre unterstützte, blieb kinderlos. So überführten die beiden ihr Vermögen in die Oskar und Elisabeth Farny-Stiftung, die das Hofgut mit Feld und Wald, den großen Alpbesitz, den Weinberg am Kaiserstuhl und natürlich die Brauerei umfasst.

1983 starb Oskar Farny im Alter von 92 Jahren, seine Frau folgte ihm ein Jahr später. Beide sind in der Grabkapelle auf dem Dürren beigesetzt.

Dass heute das Hofgut in altem/neuem Glanz erstrahlt, ist  Dr. Jörg Leist zu verdanken. Er setzte sich dafür ein, die alte Brauereiwirtschaft vor dem Verfall zu retten und wieder zu beleben. In der Diskussion mit Stiftungsbeirat, Brauerei und Behörden entstand die Idee, die Gastwirtschaft um ein kleines Hotel zu erweitern, wobei sowohl Architektur wie Inneneinrichtung Tradition und Moderne gekonnt miteinander vereinen. Dr. Jörg Leist hat sich auch der Aufgabe angenommen, die Seele des alten Hauses zu erhalten. Das zeigt sich in vielen liebevollen Details, sei es in der denkmalgeschützten Vögtle-Stube oder im sogenannten Schwedenkeller. So musste beispielsweise der Aufgang in den ersten Stock in den Verbindungstrakt zwischen Brauereigasthof und Hotel verlegt werden. Aber das alte Treppengeländer hat trotzdem seinen Platz gefunden – als dekorativer Wandschmuck. Die beiden, die daran hinaufgehen, sind allerdings gemalt. Behutsam und ohne den Charme von früher zu stören, wurde das Ensemble seitdem weiter ergänzt, bis hin zum Kinderspielplatz gegenüber dem Biergarten. Die Gäste wissen es zu schätzen.

Das Ehepaar Farny mit dem ehemaligen Bundeskanzler Kurt Georg Kiesinger bei der Verleihung des Großen Verdienstkreuzes.

IMMER AUF DEM LAUFENDEN BLEIBEN

Post vom Hofgut